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Viele Fragen rund um die Pflegesituation in Hennef

DRK-Pflegedienstleitung Annette Nothen referiert zum Thema Pflegenotstand.

3.126 von insgesamt 49.657 Einwohnern in Hennef sind pflegebedürftig. 411 davon leben in einem Pflegeheim. 2.256 Personen werden von ihren Angehörigen versorgt, 528 davon mit Unterstützung eines Pflegedienstes.

Das berichtetet DRK-Pflegedienstleitung Annette Nothen in einem gemeinsamen Vortrag mit Daniela Janßen, Pflegedienstleitung der Caritas-Pflegestation Eitorf/Hennef, bei einem Informationsabend zum Thema „Pflegenotstand – auch in Hennef?“, zu dem die Kolpingsfamilie eingeladen hatte. Die beiden Referentinnen kennen sich aus einer früheren Anstellung und freuten sich, an diesem Abend noch einmal gemeinsam für pflegebedürftige Bürger in Hennef auftreten zu können. Denn der Pflegenotstand betrifft uns alles - unabhängig von Träger, Anbieter, Stadt oder Kommune. Nur gemeinsam, können wir diesem Phänomen begegnen. 

Und ja, auch in Hennef gibt es Engpässe. Annette Nothen: „Es tut mir in der Seele weh, wenn ich am Telefon sagen muss: Wir können Sie nicht versorgen.“ Und Daniela Janßen berichtet, dass die Betten einer Abteilung im Helenenstift leer stehen, weil es am Personal mangelt.

So waren sich bei der Veranstaltung alle einig: Es gibt bereits heute zu wenig Personal, aber angesichts der steigenden Pflegezahlen nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels, des Rückgangs pflegender Angehöriger und der wenig attraktiven Arbeitsbedingungen wird sich die Lage in Zukunft weiter enorm verschärfen.

Die Referentinnen machten deutlich, dass sie die Situation nicht tatenlos beobachten. So bilden sie beispielsweise selbst aus oder rekrutieren Fachkräfte aus dem Ausland. Aber an den strukturellen Rahmenbedingungen können beide nichts ändern. So war es aus ihrer Sicht ein Fehler, die Ausbildung von Pflegekräften in Krankenhaus und Altenpflege vor wenigen Jahren zusammenzulegen und zu „verakademisieren“. Nicht alle Bereitwilligen, die diesen Beruf ergreifen wollen, können die gestiegenen Anforderungen bewältigen. Gerade Sprachprobleme bilden ein Hindernis, das durch den höheren Theorieanteil gewachsen ist. Eine Rolle spielen auch der Verlust der Zivildienstleistenden und die Konkurrenz von Leiharbeitsfirmen. Und klar, aufgrund der gemeinsamen Ausbildung wandern gute Kräfte auf die attraktivsten Stellen ab, zB an Universitätskliniken.

Die Referentinnen berichteten: Rund 3,9 Millionen Menschen erhalten in Deutschland Leistungen aus der Pflegeversicherung. Dafür stehen den Pflegekassen rund 37,72 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Pflege sei chronisch unterfinanziert. Deutschland gebe ein Prozent des Brutto-Inland-Produkts für Pflege aus. In Skandinavien sei es doppelt soviel. Mit 22 Milliarden Euro beteiligten sich die kommunalen Sozialämter an der Finanzierung. Der Gesamtetat der Pflegekassen in Deutschland liegt darüber hinaus bei etwa 70 bis 80 Milliarden Euro.

In Hennef gibt es nach Auskunft der Referentinnen vier stationäre Pflegeeinrichtungen, deren Zahl durch die öffentliche Finanzierung begrenzt ist, eine Tagespflege-Einrichtung, neun ambulante Pflegedienste sowie zusätzliche private Betreuungsdienste, die keine medizinische Pflege leisten, aber bei der Bewältigung des Alltags Hilfe leisten.

Annette Nothen gibt den Tipp, das Thema „Pflegebedürftigkeit“ nicht unvorbereitet auf sich zurasen zu lassen, sondern sich vorzubereiten. Vor allem durch rechtzeitige Information und Beratung. Daran lasse sich auch die Qualität eines Pflegedienstes erkennen. Pflegebedürftige seien dazu sogar mehrmals jährlich verpflichtet. Der Anruf bei einem Pflegedienst sei der erste Schritt.

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